ABFALLRATGEBER BAYERN

Klärschlammverwertung in Bayern

Die ca. 2.600 kommunalen Kläranlagen Bayerns reinigen jährlich etwa 1,8 Milliarden m3 Abwasser. Dabei fallen rund 265.000 t Klärschlamm-Trockenmasse an.
Die Verwertung bzw. Entsorgung erfolgt im Wesentlichen über drei Pfade (2014):

  • Thermische Behandlung / energetische Verwertung 58,4 %
  • Rekultivierung / Landschaftsbau 23,8%
  • Landwirtschaftliche Verwertung 17,8%

Bereits im Jahr 2001 beschloss Bayern aus Gründen eines vorsorgenden Verbraucher-, Boden- und Gewässerschutzes den Ausstieg aus der landwirtschaftlichen Klärschlammverwertung. Es sollen ökologisch vorteilhafte Technologien, die zur Schadstoffentfrachtung und Schadstoffzerstörung führen und die Rückgewinnung von Nährstoffen aus Klärschlämmen vor der Beseitigung ermöglichen, entwickelt werden. Diese Sichtweise spiegelt sich im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD aus dem Jahr 2013. Seit Jahren besteht ein Trend hin zur thermischen Behandlung und energetischen Verwertung, während die landwirtschaftliche Verwertung und die Rekultivierung rückläufig sind.

Das Abfall- und Düngerecht zielt darauf ab, eventuell mit der landwirtschaftlichen Klärschlammverwertung einhergehende negative Umweltauswirkungen wie Schadstoffeinträge in den Boden und die menschliche Nahrungskette zu vermeiden und das Düngeniveau dem Nährstoffbedarf der Kulturarten anzupassen.
Eine Novelle der Klärschlammverordnung ist in Vorbereitung. Der vorliegende Referentenentwurf des Bundesumweltministeriums sieht für größere Kläranlagen den Ausstieg aus der landwirtschaftlichen Klärschlammverwertung vor.

Die schadstoffseitigen Anforderungen sollen weiter verschärft und die Aufbringungsmengen reduziert werden. Die freiwillige Qualitätssicherung soll nach den Vorstellungen der Bundesregierung aufgebaut und die Phosphorrückgewinnung für größere Kläranlagen vorgeschrieben werden. Zukünftig sollen diese Anforderungen auch für die stoffliche Verwertung in Rekultivierung und Landschaftsbau gelten. Mit der Novelle werden die Vorgaben des Abfallrechts mit denen des Düngerechts harmonisiert und das Bodenschutzrecht stärker berücksichtigt. So wird unter anderem bei den bodenbezogenen Grenzwerten auf die Bioabfallverordnung, bei den klärschlammbezogenen Grenzwerten auf die Düngemittelverordnung verwiesen.

Erhöhte Anforderungen an die landwirtschaftliche Verwertungspraxis der Klärschlammausbringung stellt auch die 2012 novellierte und am 01.01.2015 in Kraft getretene Düngemittelverordnung. Diese regelt das Herstellen und Abgeben von Düngemitteln allgemein, unter anderem auch von organischen Düngern. Dünger müssen einem zugelassenen Düngemitteltyp entsprechen, es sind Mindest- und Maximalwerte für Inhaltsstoffe definiert und ab bestimmten Schwellenwerten sind diese zu kennzeichnen.
Um die Umweltauswirkungen (luft- und wasserseitige Emissionen) bei der Düngung landwirtschaftlicher Nutzflächen zu reduzieren, sieht der vorliegende Entwurf der Düngeverordnung u.a. folgende Restriktionen vor:

  • Verringerung des erlaubten Düngeniveaus
  • Verlängerung der Sperrzeiten, beginnend nach der Ernte der Hauptfrucht
  • Pflicht zur Erstellung jährlicher Nährstoffvergleiche
  • Neuregelung der Abstände zu Gewässern
  • Erhöhte Anforderungen an die Ausbringungstechnik

Die im Abfall- und Düngerecht vorgesehenen Pflichten erhöhen den technischen und finanziellen Aufwand der landwirtschaftlichen Klärschlammverwertung. Vor diesem Hintergrund ist zu erwarten, dass die Klärschlamm-Mengen, welche in der Landwirtschaft verwertet werden, weiter zurückgehen werden.

Die Entsorgungspraxis zeigt, dass insbesondere im ländlichen Raum und bei kleineren Kläranlagen die landwirtschaftliche Verwertung zu Düngezwecken mittelfristig weiterhin Bestand haben wird. Um eine effiziente Abwicklung des nach der Klärschlammverordnung vorgeschriebenen Lieferscheinverfahrens sowie eine sichere und zuverlässige Überwachung und Dokumentation zu erreichen, wird vom Freistaat Bayern das Bayerische Klärschlammnetz betrieben.

Über dieses internetbasierte System erfolgt die Kommunikation zwischen den angebundenen Kläranlagen, Beauftragten Dritten sowie den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und den Kreisverwaltungsbehörden.
Die Vorteile des Bayerischen Klärschlammnetzes liegen u.a. darin, dass:

  • eine detaillierte Überwachung und lückenlose Dokumentation der landwirtschaftlichen Klärschlammverwertung ermöglicht wird,
  • eine automatisierte Maximalmengen- und Grenzwertüberprüfung von Inhalts- und Schadstoffen, die die Überwachung durch die zuständigen Behörden wesentlich erleichtert,
  • aktuelle statistische Auswertungen hinsichtlich der Klärschlammverwertung ermöglicht werden.

Stand 16. September 2016

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