ABFALLRATGEBER BAYERN

Mehrweg ist der bessere Weg - auch bei „Coffee to go“

Leere Coffe to go-Pappbecher

Kaffee zum Mitnehmen – „Coffee to go“ – wird auch in Bayern immer beliebter. Bislang wird er meist in Einwegbechern ausgeschenkt. Dabei verbrauchen Einwegbecher große Mengen an Ressourcen und ihre Lebensdauer ist kurz. Nach durchschnittlich 15 Minuten werden sie zu Abfall. Pro Jahr kommt in Deutschland durch Coffee to go-Becher eine unvorstellbare Menge zusammen: Stündlich werden rd. 320.000 Einwegbecher verbraucht. Das macht rd. drei Milliarden Becher im Jahr. Für deren Herstellung werden zehntausende Tonnen Holz und Kunststoff sowie Milliarden Liter an Wasser benötigt. Diese Ressourcen gehen verloren, da ein Recycling hier große Probleme bereitet.

Das große Volumen der Becher erfordert ein ständiges Leeren der Abfallbehälter in den Städten und Gemeinden. Ein Teil der Becher schafft es erst gar nicht in die Abfallbehälter und wird leider stattdessen auf der Straße oder in der freien Natur entsorgt.

Bayern macht mobil gegen Einwegkaffeebecher

Das Bayerische Umweltministerium sieht hier Handlungsbedarf und hat deshalb einen Runden Tisch mit Café-Betreibern, Bäckereien, Kommunen und Verbänden ins Leben gerufen.

„Wir brauchen eine Trendumkehr. Gemeinsam können wir die Becherflut stoppen. Mehrweg ist der bessere Weg. Es ist eindrucksvoll, welche ressourcenschonenden Lösungen innovative Unternehmen und engagierte Kommunen hierfür in den vergangenen Monaten entwickelt haben. Weitere Projekte sind herzlich willkommen“, so Umweltministerin Scharf.
Die Teilnehmer am Runden Tisch waren sich einig, die Aktion fortzusetzen und sich regelmäßig über die gemachten Erfahrungen auszutauschen.

Es gibt Alternativen!

Eine steigende Zahl an Cafés und Bäckereien bieten an, mitgebrachte Becher oderTassen zu befüllen. Es gibt keine Hygienevorschriften, die das grundsätzlich verbieten würden. Es gilt jedoch, von Seiten des Kunden wie des Geschäfts, hygienische Grundregeln einzuhalten. Selbstverständlich ist, dass nur saubere Becher bzw. Tassen angenommen werden.

Immer mehr Cafés und Bäckereien setzen auf Mehrwegbecher. Die Becher können in den teilnehmenden Cafés oder Bäckereien gegen einen Pfandbetrag erworben und in jeder teilnehmenden Verkaufsstelle wieder zurückgegeben oder ausgetauscht werden.

Bis zu 60 Einwegbecher pro Jahr kann ein Mehrwegbecher ersetzen (laut Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen). Er trägt somit sehr erfolgreich zur Einsparung von Ressourcen und Abfall bei. Die Ökobilanz für Mehrwegbecher aus hochwertigem Kunststoff oder Aluminium fällt in den meisten Studien positiv aus.

Best practice Beispiele

Bereits jetzt gibt es gute Alternativlösungen: So bieten manche Café-Betreiber und Bäckereien ihren Kunden aktiv an, mitgebrachte Mehrwegbecher oder Becher aus Pfandsystemen zu befüllen und gewähren dabei teilweise auch einen Preisnachlass.

reCup - Ein Beispiel für Abfallvermeidung bei "Coffee to go"

Das junge Team des Start-up-Unternehmens „reCup“ bietet einen Rundumservice für Betriebe in Rosenheim, die umweltfreundliche Mehrwegbecher im Rahmen eines Pfandsystems einsetzen wollen. Liebhaber von Kaffee & Co. können sich im Internet und mittels Smartphone bei reCup über die teilnehmenden Cafés und Einzelhändler informieren.

Externer Link zum YouTube-Kanal des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz

Coffee To go Again

Die Münchnerin Julia Post hat bereits mehrere hundert Cafés und Bäckereien bundesweit von ihrer Initiative „Coffee To Go Again“ überzeugen können: Freiwilliger Verzicht auf Pappbecher, Rührstäbchen und Plastikdeckel bei Bäcker, Kiosk & Co.

Konversionsmanagement Kitzinger Land

Auf umweltschonende Mehrwegbecher als Alternative zum Pappbecher können auch die Bürgerinnen und Bürger in Kitzingen zurückgreifen: Artikel im "Die Kitzinger". Ansprechpartner: Konversationsmanagement Kitzinger Land, Roswitha Peters

Unternehmen, die eine Befüllung mitgebrachter Becher bzw. ein Mehrwegsystem unterstützen

Die Auflistung basiert auf einer Recherche des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz (StMUV) zum Stand 28.03.2017 sowie im facebook-Profil des StMUV eingegangenen Meldungen und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Umweltauswirkungen bei der Herstellung von Einwegbecher

Die meisten Einwegbecher bestehen aus frischen Papierfasern, für deren Herstellung in aller Regel Neumaterial eingesetzt wird, wozu Bäume gefällt werden müssen. Nur selten erhält man Einwegbecher, für deren Produktion zu einem gewissen Anteil Recyclingpapierfasern genutzt werden.

Um ein Eindringen der Feuchtigkeit in die Pappe zu verhindern und damit die Stabilität des Bechers zu erhöhen, bestehen die Einwegbecher nicht nur aus Pappe, sondern anteilig auch aus Kunststoff. Ein durchschnittlicher Einwegbecher besteht in der Regel zu fünf Prozent aus dem Kunststoff Polyethylen (PE) – dazu kommt noch der Plastikdeckel und gelegentlich Rührstäbchen, Papiermanschetten oder Tragehilfen aus Pappe.

  • Für Herstellung der Polyethylen-Beschichtungen der Becherinnenseiten und Polystyrol-Deckel werden jährlich ca. 22.000 Tonnen Rohöl verbraucht. Das ist eine ganze Menge an natürlichen Ressourcen.
  • Für die Herstellung der jährlich in Deutschland verbrauchten Coffee to go–Becher entstehen CO2-Emissionen von rund 83.000 Tonnen.
  • Die Herstellung der Polystyrol-Deckel verursacht zusätzlich rund 28.000 Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr.
  • Viele der weggeworfenen Coffee to go-Becher werden achtlos weggeworfen und verschmutzen Straßen, öffentliche Plätze und die Natur.

Praxishilfe zur Befüllung mitgebrachter Kaffeebecher- und Tassen

Vom Kunden mitgebrachte Becher müssen geeignet und augenscheinlich sauber sein. Anderenfalls sollten die Becher von der Wiederbefüllung ausgeschlossen werden.
Die Becher sollten vom Kunden außerhalb des Hygienebereichs abgestellt werden können. Denkbar wäre beispielsweise ein speziell dafür ausgewiesener Platz im Thekenbereich.
Der Umgang mit den kundeneigenen Bechern sollte möglichst berührungslos erfolgen. Idealerweise verwendet man ein eigenes Gefäß (z.B. Milchschaumkännchen) und befüllt damit berührungslos den kundeneigenen Becher.
Wenn Sie Vollautomaten verwenden, achten Sie insbesondere darauf, dass der Abfüllstutzen nicht den Becher bzw. den Inhalt berührt.
Der Becherdeckel muss vom Kunden selbst abgenommen und aufgebracht werden.
Die Abstellfläche für kundeneigene Becher muss regelmäßig gereinigt und desinfiziert werden.
Händewaschen sollte geübte Praxis nach Becheraustausch sein.
Die Arbeitsabläufe bei der Befüllung von mitgebrachten Mehrwegbechern sollten in einer Arbeitsanweisung für das Personal schriftlich festgehalten werden und Inhalt der regelmäßigen Hygieneschulungen sein.
Wenn Sie Mehrwegbecher zum Verkauf anbieten, achten Sie darauf, dass diese aus geeignetem, glattem und leicht zu reinigendem Material sind.
Sollten Sie Fragen haben, wenden Sie sich bitte an die für Sie zuständige Lebensmittel­überwachungsbehörde.
Relevante Rechtsvorschriften: Verordnung (EG) Nr. 852/2004 über Lebensmittelhygiene, Verordnung (EG) Nr. 178/2002 zur Festlegung der allgemeinen Grundsätze und Anforderungen des Lebensmittelrechts, zur Errichtung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit und zur Festlegung von Verfahren zur Lebensmittelsicherheit, Lebensmittelhygiene-­Verordnung (LMHV), Verordnung (EG) Nr. 1935/2004 über Materialien und Gegenstände, die dazu bestimmt sind, mit Lebensmitteln in Berührung zu kommen.
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