ABFALLRATGEBER BAYERN

Plastiktüten - Probleme und Alternativen

farbige Plastiktüten

Bayern will die Abfallmengen weiter reduzieren und wirbt für einen bewussten Verzicht auf Plastik im Alltag. Ziel ist, unnötigen Plastikmüll und die Verschmutzung der Natur zu vermeiden und anfallenden Abfall bestmöglich zu verwerten. Eine Möglichkeit dies umzusetzen, ist Alternativen zur Plastiktüte beim Einkaufen zu nutzen.

Plastiktüte - Was ist das?

Plastiktüten bestehen in der Regel aus den Kunststoffen Polyethylen (PE) oder Polypropylen (PP), welche üblicherweise aus Erdöl gewonnen werden. Plastiktüten gibt es mit oder ohne Tragegriff sowie in verschiedenen Wandstärken. Sie werden häufig als (leichte) Tragetasche zum Transport von Einkäufen (Wandstärke zwischen 0,015 mm und  0,05 mm) oder als (sehr leichte) Erstverpackung für lose Lebensmittel (Wandstärke kleiner als 0,015 mm) verwendet (Hemdchenbeutel).

Plastiktüte - Worin besteht das Problem?

Deutschland verfügt zwar über ein hoch entwickeltes Abfallwirtschaftssystem. Wenn Plastiktüten aber dennoch in die Umwelt gelangen, verschmutzen sie langfristig die Natur, da die Kunststoffe sehr widerstandsfähig gegenüber Witterungseinflüssen sind. Die Zersetzung von Kunststoffen kann Jahrhunderte dauern [1]. Plastiktüten zersetzen sich zunächst in kleinere Teile bis hin zum sogenannten Mikroplastik.

Kompost aus gesammelten Bioabfällen enthält zunehmend Plastikteilchen, die bei Ausbringung des Komposts in den Boden eingebracht werden. Auch Plastiktüten aus Bioplastik sind problematisch, weil die in modernen Kompostanlagen vorgesehene Verweilzeit nicht ausreicht, um die Biokunststoffe vollständig abzubauen. Bei Verfrachtung durch Wind können Plastiktüten und –fetzen sowie andere Kunststoffprodukte über Flüsse in die Meere gelangen. Über die Nahrungskette kann Mikroplastik an andere Lebewesen weitergegeben werden. Eine erste Pilotstudie zeigt, dass Mikroplastik generell auch in menschlichem Stuhl nachzuweisen ist [2]. Hinzu kommt, dass sich Schadstoffe an Mikroplastik anlagern und sich so in der gesamten Nahrungskette anreichern können.
Auch wenn in Deutschland nur geringe Probleme mit „gelittertem“ Plastikmüll bestehen [3], sollte der Verbrauch von Plastiktüten und auch von anderen Plastikartikeln erheblich reduziert werden.

Plastiktüten - Wie ist der gesetzliche Rahmen?

Für Plastiktüten gilt in Deutschland die Verpackungsverordnung bzw. ab 01.01.2019 das Verpackungsgesetz [4]. Diese verpflichten die Hersteller und Vertreiber die Verantwortung für die Sammlung, Sortierung und Verwertung zu übernehmen.

Die EU hat 2015 die Verpackungsrichtlinie (94/62/EG) mit dem Ziel geändert, bis Ende 2019 EU-weit den Verbrauch von Plastiktüten der Wandstärke kleiner 0,05 mm von derzeit ca. 200 Tüten auf höchstens 90 Stück und bis Ende 2025 auf höchstens 40 Stück pro Einwohner und Jahr zu senken. Für die sehr leichten Kunststofftrage-taschen (Hemdchenbeutel) kann es Ausnahmen geben, wenn es hygienische Gründe für deren Verwendung gibt oder wenn damit Lebensmittelverschwendung reduziert werden kann [5]. Im Rahmen der EU-Plastikstrategie wurde entschieden, dass zukünftig die Hersteller zur Deckung der Kosten der Säuberung der Umwelt für leichte Kunststofftragetaschen herangezogen werden sollen [6]. Weltweit bestehen in verschiedenen Ländern (Italien, Kenia, Brasilien, USA) teilweise strengere gesetzliche Vorgaben (bis zu Verboten) [1, 7].

Plastiktüten - Welche Erfolge gibt es bei der Reduzierung des Verbrauchs an Plastiktüten?

Die neuen Ziele (40 Tüten pro Einwohner und Jahr) der geänderten Verpackungsrichtlinie für 2025 wurden in Deutschland bereits 2016 erreicht. 2017 wurden nur noch 29 Plastiktüten pro Einwohner ausgegeben. Dazu beigetragen hat eine Selbstverpflichtung vieler Handelsunternehmen, die seit Mitte 2016 Kunststofftragetaschen nicht mehr kostenlos an die Kunden abzugeben. Das hat viele Kunden dazu bewogen, auf Plastiktüten zu verzichten und Alternativen zu nutzen. Trotzdem wurden 2017 immer noch ca. 2,4 Milliarden Kunststofftragetaschen abgegeben [8].

Plastiktüte - Welche Alternativen gibt es?

Stofftasche

Sinnvolle Alternativen sind wiederverwendbare Beutel aus Jute, Baumwolle oder Polyester sowie Taschen, Körbe oder Rücksäcke. In diversen Veröffentlichungen wurden die ökologischen Vor- und Nachteile einzelner Alternativen betrachtet [9]. Eine ökologisch positive Bewertung hängt insbesondere von der Mehrfachnutzung dieser Alternativen ab. Wenn Kunststofftragetaschen aus mindestens 80 % Recycling-Kunststoff bestehen, ist ein Kriterium für das Umweltzeichen „Blauer Engel“ erfüllt [10]. Auch das verpackungsfreie Einkaufen wird immer häufiger angeboten. Dabei kann die Ware „offen“ mitgenommen oder in mitgebrachte Behältnisse abgefüllt werden [11].

Quellen:
[1]      UMWELTBUNDESAMT (2017): Plastiktüten; https://www.umweltbundesamt.de/umwelttipps-fuer-den-alltag/haushalt-wohnen/plastiktueten, online-Artikel vom 24. August 2017 (Abruf am 30.10.2018).
[2]      MEDIZINISCHE UNIVERSITÄT WIEN (2018): Erstmals Mikroplastik im Menschen nachgewiesen, https://www.meduniwien.ac.at/web/ueber-uns/news/detailseite/2018/news-im-oktober-2018/erstmals-mikroplastik-im-menschen-nachgewiesen/ online-Artikel vom 23.10.2018 (Abruf am 30.10.2018).
[3]      UMWELTBUNDESAMT (2013): Plastiktüten - Hintergrundpapier; https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/479/publikationen/4453.pdf (Abruf am 30.10.2018).
[4]      UMWELTPAKT BAYERN (2018): Das neue Verpackungsgesetz, https://www.umweltpakt.bayern.de/abfall/aktuelles/3099/das-neue-verpackungsgesetz, online-Artikel vom 14.08.2018 (Abruf am 30.10.2018).
[5]      RICHTLINIE (EU) 2015/720 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 29. April 2015 zur Änderung der Richtlinie 94/62/EG betreffend die Verringerung des Verbrauchs von leichten Kunststofftragetaschen; https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=uriserv:OJ.L_.2015.115.01.0011.01.DEU (Abruf am 30.10.2018).
[6]      EUROPÄISCHE KOMMISSION (2018): Einwegkunststoffprodukte - neue EU-Vorschriften zur Verringerung der Meeresabfälle;  http://europa.eu/rapid/press-release_IP-18-3927_de.htm (Abruf am 02.11.2018).
[7]      TAMEDIA AG (2017): Bis zu vier Jahre Gefängnis nach Plastiksack-Verbot https://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/standardbis-zu-vier-jahre-gefaengnis-fuer-plastiksaecke/story/10813644, online-Artikel vom 31.08.2017 (Abruf am 30.10.2018).
[8]      GESELLSCHAFT FÜR VERPACKUNGSMARKTFORSCHUNG MBH (GVM) (2018): Verbrauch von Tragetaschen in Deutschland 2017, im Auftrag von Handelsverband Deutschland HDE e.V.: Der Einzelhandel, http://kunststofftragetasche.info/files/TT-Monitoring_BJ2017_Web.pdf, Mainz, (Abruf am 26.10.2018).
[9]      a) BAYERISCHER RUNDFUNK - BR1 (2015): Was ist umweltfreundlicher - Plastik- oder Papiertüte? https://www.br.de/radio/bayern1/inhalt/experten-tipps/umweltkommissar/umwelt-plastik-papier-tuete-100.html, (Abruf am 30.10.2018),
b) INSTITUT FÜR ENERGIE- UND UMWELTFORSCHUNG HEIDELBERG GMBH (ifeu): Überlegungen zur Ökobilanzierung von Tragetaschen. Vortrag am 24.02.2014 https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/378/dokumente/08_detzel_ifeu_vortrag_dialogveranstaltung_einweg-tragetaschen.pdf, (Abruf am 23.07.2018)
[10]    BLAUER ENGEL DAS UMWELTZEICHEN (2018): Produkte aus Recycling-Kunststoffen – (DE-UZ 30a). https://produktinfo.blauer-engel.de/uploads/criteriafile/de/DE-UZ%2030a-201603-de%20Kriterien.pdf, (Abruf am 30.10.2018)
[11]    ABFALLRATGEBER BAYERN (2018): Verpackungsloses Einkaufen liegt im Trend, https://www.abfallratgeber.bayern.de/haushalte/abfallvermeidung/verpackungsfreier_einkauf/index.htm (Abruf am 30.10.2018)

Weitere Quellen:

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