Recycling

Recycling bedeutet, dass Produkte, die zu Abfall geworden sind, wiederaufbereitet und erneut als (Sekundär)Rohstoff oder Produkt verwendet werden können (stoffliche Verwertung). Dadurch kann beispielsweise aus Altpapier neues Papier hergestellt werden oder aus Bioabfällen Kompost entstehen. Recycling führt dazu, dass Wertstoffe im Kreislauf gehalten werden und damit weniger Primärrohstoffe zur Herstellung neuer Produkte erforderlich sind. Recycelte Abfälle müssen weder verbrannt noch deponiert werden.
Dabei ist Recycling kein Phänomen der Neuzeit. Menschen recyceln bereits seit Jahrtausenden, z. B. pflanzliche und tierische Abfälle, Baustoffe und Metalle. Heute wird das Recycling nicht nur für Massenabfälle wie Bauabfälle und Kunststoffe zunehmend bedeutender, sondern insbesondere auch für Abfälle, die kritische Rohstoffe enthalten, zu denen u. a. Kobalt, Kupfer, Lithium und Seltene Erden gehören. Sie kommen in Batterien, Elektrogeräten, Elektrofahrzeugen, Magneten und Windenergieanlagen vor und sind u. a. für Produkte der Elektromobilität und erneuerbaren Energieerzeugung unverzichtbar. Das Recycling trägt durch die Versorgung mit Sekundärrohstoffen dazu bei, die Unabhängigkeit von Rohstoffimporten zu stärken.
Ohne (getrennte) Sammlung kein Recycling
Recycling ist in der Regel umso effizienter, je besser vorher die Abfälle getrennt (gesammelt) werden. Folgende Abfälle aus privaten Haushalten müssen getrennt vom Restmüll gesammelt werden:
- Batterien
- Bioabfälle
- Elektrogeräte
- Glas
- Kunststoffe
- Metalle
- Papier
- Sperrmüll
- Textilien
- Sonstige Problemabfälle (z. B. Farben/Lacke, Fritteusenfett, Pflanzen- und Holzschutzmittel, Lachgaskartuschen, Spraydosen)
Alles, was im Restmüll landet, wird zwar in Müllverbrennungsanlagen energetisch verwertet, geht aber stofflich überwiegend verloren (Ausnahme Metalle).
In der Umgangssprache wird mit Recycling oft auch das Abgeben am Recycling- oder Wertstoffhof (WSH) gemeint. Am WSH, wie auch bei der Abgabe im Geschäft, erfolgt aber nur das Einsammeln von Abfällen; das eigentliche Recycling erfolgt nachgelagert in spezialisierten Abfallbehandlungsanlagen.
Abfallhierarchie
Warum steht Recycling in der 5-stufigen Abfallhierarchie erst an 3. Stelle?

Abbildung: 5-stufige Abfallhierarchie (Quelle LfU)
Oberste Priorität hat die Abfallvermeidung!
Solange Abfälle erst gar nicht entstehen, können sie auch nicht recycelt werden. Bei der 1. Stufe „Vermeidung (Wiederverwendung)“ werden ggf. Produkte wiederverwendet, so dass rechtlich noch gar keine Abfälle anfallen. Auch die 2. Stufe „Vorbereitung zur Wiederverwendung“ hat noch Vorrang vor dem Recycling. Dabei werden Abfälle, z. B. alte Elektrogeräte, repariert und dann wieder für den gleichen Zweck eingesetzt. Damit bleibt die Nutzung des ursprünglichen Gegenstands und somit die gegenüber dem Recycling höhere Wertschöpfung (länger) erhalten.
Spätestens mit der 3. Stufe „Recycling“ gehen mit Ausnahme des Restmülls nahezu alle Abfälle (aus privaten Haushalten und Gewerbe) in die stoffliche Verwertung. Restmüll wird in Müllverbrennungsanlagen entsorgt, wodurch eine stoffliche Verwertung im Wesentlichen ausgeschlossen ist. Als 5. Stufe ist für bestimmte Abfälle eine Beseitigung, beispielsweise auf einer Deponie, unerlässlich.
Recyclingverfahren und Recyclingquoten
Recycling erfolgt durch manuelle und/oder mechanische Verwertungsverfahren. Für viele Abfallarten gibt es eigene, spezialisierte Recyclinganlagen. Beim Recyclingprozess werden zuerst eventuell enthaltene Störstoffe oder gefährliche Bestandteile entfernt (z. B. Öl, Batterien) und danach die verschiedenen Materialfraktionen im Regelfall aufgetrennt. Die sortierten Wertstoffe werden in weiteren Verwertungsanlagen (z. B. zur Herstellung von Papier, Glas, Kupfer) eingesetzt und gelangen so zurück in den Stoffkreislauf. Moderne Sortieranlagen können z. B. Kunststoffverpackungen aus dem gelben Sack bzw. der gelben Tonne systematisch sortieren, um einen möglichst großen Anteil werkstofflich zu verwerten. Bei einigen Abfällen wie z. B. Getränkekarton- und Papierverbundverpackungen lässt sich das Recycling noch verbessern. Generell kann in den meisten Fällen umso mehr recycelt werden, je mehr Abfälle vorher getrennt gesammelt wurden.
Beim Recycling kann (auch mengenmäßig) der größte Gewinn für die Rohstoffrück-gewinnung erzielt und damit Primärmaterial ersetzt werden. Gleichzeitig werden die ökologischen Auswirkungen von Produktion und Konsum reduziert. Deutlich positive Umweltaspekte werden z. B. durch hohe Energieeinsparungen beim Recycling von Aluminium und Altglas und durch Wassersparen beim Altpapierrecycling erzielt. Bei recycelten Baustoffen (RC-Material) kann die bereits einmal für Herstellung, Transport und Rückbau verwendete Energie („Graue Energie“) mitgenutzt werden. Bei der Betonherstellung mit RC-Material kann unter bestimmten Umständen auch der Anteil von neuem Zement, bei dessen Herstellung viel CO2 emittiert wird, teilweise reduziert werden. Verschiedene Gütesiegel gewährleisten zudem eine hohe Qualität recycelter Sekundärmaterialien (z. B. von RC-/Ersatzbaustoffen oder Komposten).
2024 nutzten die bayerischen Landkreise und Städte 135 Recyclinganlagen zur Verwertung der kommunal gesammelten Abfälle.
Die gesetzlichen Recyclingquoten für die einzelnen Abfallfraktionen variieren zwischen 50 %- und 85 %-Masse und werden teilweise abfallspezifisch übertroffen. Für bestimmte kritische Metalle liegen die Recyclingquoten allerdings nur in einer Größenordnung von ca. 1% (ohne gesetzlich vorgegebene Quotenanforderungen).
Grenzen des Recyclings
Recycling hat auch seine Grenzen. So dürfen Abfälle, die bestimmte giftige oder gefährliche Stoffe enthalten (z. B. Asbest, bromierte Flammschutzmittel, Quecksilber) gar nicht recycelt werden. Sie müssen aus dem Kreislauf ausgeschleust und beseitigt werden (vgl. 5. Stufe der Abfallhierarchie).
Die beim Recycling eingesetzten Verfahren benötigen den Einsatz von Energie und Materialien z. B. für die Zerkleinerung und Sortierung und verursachen Kosten. So müssen z. B. wiederaufbereitete Kunststoffe (Rezyklate) häufig mit günstiger, importierter Neuware konkurrieren. Gleichzeitig können aber z. B. recycelte Bauabfälle grundsätzlich die gleichen bautechnischen Eigenschaften wie Neuware erreichen und werden zunehmend nachgefragt.
Bei Recyclingquoten ist zu beachten, dass die Berechnung auf Mengenströmen basiert, die einer Recyclinganlage zugeführt werden. Daraus lässt sich aber nicht direkt ableiten, welche Mengen an recycelten Materialien anschließend tatsächlich als Input für neue Produktionsprozesse genutzt werden.
Recycling-Wissen
Abfallvermeidung, Mülltrennung, Sammlung von Wertstoffen und Recycling werden heute bereits im Kindergarten und in Schulen vermittelt. Bayerische Universitäten/Hochschulen bieten rund 60 Studiengänge in den Bereichen Umweltschutz- und Entsorgungstechnik sowie Umweltwissenschaften an. Auch das Angebot an betrieblichen Ausbildungsmöglichkeiten im Bereich der Umwelttechnologie ist groß. Umfangreiche Informationen hierzu bietet der Abfallratgeber Bayern.
Die große Bedeutung des Recyclings wird auch durch den Weltrecyclingtag zum Ausdruck gebracht, der jedes Jahr am 18. März stattfindet.
Weiterführende Informationen
- Abfallratgeber Bayern - Weltrecyclingtag
- Abfallratgeber Bayern - Abfallvermeidung
- Abfallratgeber Bayern - Abfälle richtig trennen
- Abfallratgeber Bayern - Abfallentsorgung
- Abfallratgeber Bayern - Bildung & Beruf
- Umweltbundesamt - Mit Fakten gegen Mythen: Das Recycling von Verpackungsabfällen in Deutschland funktioniert
